Vorstellungsvotum

von Peter Godzik

vorgetragen vor der Lauenburgischen Kirchenkreissynode am 22. September 1997 in Mölln

Ich danke herzlich für die freundlichen Worte der Vorstellung, die Bischof Kohlwage für mich gefunden hat.

Ich komme von außen in diesen Kirchenkreis. Ich bin jedes Mal zwei Stunden quer durch Schleswig-Holstein gefahren, um Sie zu erreichen.

Ich war bemüht, mich Ihnen vorzustellen mit meiner Person und mit meiner Arbeit. Ich habe auf biblische Geschichten verwiesen, die mein Handeln leiten.

Wenn wir nun zu gemeinsamer Arbeit und Verantwortung im Kirchenkreis Herzogtum Lauenburg aufeinander zugehen, dann brauche ich zunächst einmal Zeit, Sie wahrzunehmen, mitzugehen, zuzuhören, zu verstehen und mit Ihnen gemeinsam zu verabreden, wie es weitergehen soll. Ich will gerne bleiben für eine lange Zeit und dabei mich einbringen mit meinen Gaben und Fähigkeiten.

Ich bringe aber auch meine Frau und meine Kinder mit, die bereit sind, loszulassen in Schleswig und sich auf eine gemeinsame Zukunft in Ratzeburg und im Kirchenkreis Herzogtum Lauenburg einzustellen. Wir wollen mutig aufstehen und nach vorne sehen - mit der gesammelten Kraft und Aufmerksamkeit, zu der wir fähig sind.

Das alles wird seine Zeit brauchen und nicht mit schnellen Schritten zu erledigen sein. Aber vielleicht tut es Ihnen und uns gut, wenn es eine solche Zeit des gegenseitigen Wahrnehmens, der freundlichen Begegnung und des langsamen Zusammenwachsens gibt. Dann wird unsere Gemeinschaft im Leben und Ar­beiten immer von gegenseitigem Respekt geprägt sein.

Ich habe gelernt, wie gut es sein kann, Jahresthemen miteinan­der zu verabreden, die auf allen möglichen Ebenen bedacht: und durchgearbeitet werden können. Sie erlauben Konzentration auf das Wesentliche und den langen Atem eines gemeinsamen Weges. "Bäume", "Engel", "inneres Kind" und "Wege" waren die Themen in den vergangenen vier Jahren in meiner Gemeinde in Schleswig und in der Hospizarbeit auf Landesebene. Vielleicht entdecken wir miteinander, was als nächstes dran ist.

Wie ich mich selber verstehe in der leitenden Aufgabe und im leitenden Dienst im Kirchenkreis, wollten Sie immer wieder von mir wissen. Ich möchte heute und hier an dieser Stelle wieder eine biblische Geschichte zur Antwort heranziehen: Matthäus 4,18-22.

Bei der Berufung der ersten Jünger sieht Jesus Petrus und An­dreas beim Auswerfen der Netze und beruft sie in den Dienst als Menschenfischer. Er nutzt ihre Gaben auf einer höheren Ebene zum Wohle der Menschen. Daneben sieht er Jakobus und Johannes beim Flicken der Netze. Auch sie beruft er in seinen Dienst als "Netze­knüpfer",  als Wiederhersteller von tragenden Beziehungen und festen Verbindungen.

Später begegnet das griechische Verb für "Netze knüpfen" dann in den Briefen des Neuen Testaments als eines der Schlüsselwörter für die Seelsorge: katartizein - in Ordnung bringen, zurechtmachen, wiederherstellen. So heißt es im 2. Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 11: "Zuletzt, liebe Brüder (und Schwestern), freuet euch, lasset euch zurechtbringen (ins Netzwerk mit einbeziehen, würden wir heute sagen), lasset euch mahnen, habt einerlei Sinn, seid friedsam! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein."

Und im Galaterbrief im 6. Kapitel, Vers 1, steht: "Liebe Brüder (und Schwestern), wenn ein Mensch etwa von einem Fehl übereilt würde, so helfet ihm wieder zurecht mit einem sanftmütigen Geist (bezieht ihn behutsam wieder ein in eine heilende Gemein­schaft, würden wir heute sagen), ihr, die ihr geistlich seid; und siehe auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest."

So möchte ich den Propstendienst tun und gemeinsam mit anderen das Leben im Kirchkreis fördern und ordnen: fröhlich, zurecht­gebracht und ermahnt auch durch andere, friedfertig und mit einem sanftmütigen Geist.

Ich bin dankbar, dass ich einen Namen tragen darf, Godzik (polnisch: verträglich machend), der diesem Vorhaben, "Netzeknüpfer" zu sein, sehr nahe kommt. Es ist nicht nur eine alte christliche Aufgabe, sondern auch ein ganz und gar moderner Dienst. Es war ein Kommunikationswissen­schaftler, der norwegischen Fischern zusah und den Begriff "network", Netzwerk, prägte, der uns im Computerzeitalter so sehr beschäftigt. Es ist eine uralte Weisheit, die es jeweils neu zu entdecken gilt.