Sie sind hier: Hobbys / Ernst Barlach

"Am Ende mußte ich immer mehr erkennen, daß das Gesicht in allen Dingen sich nicht enthüllt, wenn man selbst nicht sein Gesicht zeigt ..."  (Ernst Barlach an Wilhelm Radenberg, 8. August 1911)

Foto: Burmester

Gebet an Barlachs Grab: Felix Evers, Uwe Steffen, Peter Godzik

Ernst Barlach - Schauplatz seiner Dramen, Produktion: WDR 1988, Film von Helmar Harald Fischer

Die Vorstellung einer im Weltprozeß sich wandelnden und verwirklichenden Gottheit, die sich aus der deutschen Mystik herleitet und von der romantischen Philosophie neu aufgenommen wurde, tritt nach der Wende zum 20. Jahrhundert vielfach wieder zutage. Barlach begegnete ihr in Volkers Schrift "Siderische Geburt", in der altes gnostisch-theosophisches Gedankengut zur prophetischen Verkündigung einer "neuen überpersönlichen Religion" aufgenommen wurde. Hier ist die Vorstellung eines grenzenlosen Prozesses der Weltrealisierung ausgeprägt, der durch den Abfall Gottes von sich selbst zu ewig neuer Steigerung bewegt wird. (Horst Wagner: Barlach - "Die Sündflut", in: Benno von Wiese (Hrsg.): Das deutsche Drama. Vom Barock bis zur Gegenwart. Interpretationen, Band II, Düsseldorf 1958, S. 345)

Ernst Barlach

Schlüssel zu den Barlach-Dramen

 Barlach-Beiträge

sowie die "Spiele" um das Barlach-Mahnmal im Magdeburger Dom:

Gedankengut, das Barlach aufnahm und das ihn prägte

Barlach, der von sich bekannt hat, zum Christentum keine innere Verbindung mehr zu besitzen, neigte Zeit seines Lebens zu metaphysischen Spekulationen, die deutlich in seine Dramen eingegangen sind. Es erhebt sich die Frage nach der ideengeschichtlichen Verwurzelung dieser Spekulationen etwa in der Mystik Jakob Böhmes, dessen Werke sich in Barlachs Güstrower Privatbibliothek mit den Spuren (zahlreichen Bleistiftnotizen) emsiger Lektürebenutzung befanden. Wesentlich nachhaltiger scheint jedoch der Einfluß einer anderen spekulativen Schrift gewesen zu sein, die Erich Gutkind (Mitglied des Potsdamer Forte-Kreises wie Theodor Däubler) 1910 unter dem Pseudonym "Volker" veröffentlichte: "Siderische Geburt. Seraphische Wanderung vom Tode der Welt zur Taufe der Tat". Barlach ist nicht nur in seinen "Güstrower Fragmenten" auf dieses Buch eingegangen, sondern hat auch in einem Brief vom März 1913 [an Arthur Moeller van den Bruck] ausdrücklich betont: "Ich würde Ihnen gern ein Buch schicken, mit dem ich mich kürzlich intensiv beschäftigt habe, Volker, 'Siderische Geburt' ... mir scheint das Werk in mehr als einem Betracht außerordentlich, ja, bisweilen prophetisch-großartig" (Br I, 411). Diese Schrift, "in der altes gnostisch-theosophisches Gedankengut zur prophetischen Verkündigung einer 'neuen überpersönlichen Religion' aufgenommen wurde", bezeichnet also eine der Wurzeln dessen, was man in der Forschung als Barlachs "Mystik" beschreibt. Es handelt sich um einen sehr komplexen, keineswegs klar abzuschätzenden Sachverhalt, der als Bedingung von Barlachs dramatischem Schaffen ins Spiel kommt. Der Eklektizismus und die Verworrenheit dieser "Mystik" wirft einen Schatten über Barlachs Dramenwerk, der sich als ideologische Hypothek bezeichnen ließe. (Manfred Durzak, Das expressionistische Drama. Ernst Barlach - Ernst Toller - Fritz von Unruh, München: Nymphenburger Verlagshandlung 1979, S. 27-28.)

Literatur (zugleich lesbar als Schlüssel zu den Barlach-Dramen): H. C. Rutherford, Erich Gutkind als Prophet der neuen Zeit. Achtzehnte Stiftungsvorlesung, 1975, Neu-Atlantis-Stiftung. Aus dem Englischen übersetzt von Renate und Peter Godzik.