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Wichtige Literaturhinweise:

Werner H. Ritter, Sterben dürfen. Eine protestantische Erinnerung, in: Deutsches Pfarrerblatt 4/2016, S. 211-214.

Wolfgang Brosche, Das Leben ist der Güter höchstes nicht. Artikel vom 24. Oktober 2014.

Reiner Marquard, Menschenwürdig sterben. Vertrauensbasierte Palliativmedizin versus Suizidbeihilfe und Tötung auf Verlangen, Leipzig: EVA 2014.

Ralf J. Jox, Sterben lassen. Über Entscheidungen am Ende des Lebens, Hamburg: edition Körber Stiftung 2011.

Michael de RidderWie wollen wir sterben? Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin, München: dva 5. Auflage 2011.

Michael Frieß, Sterbehilfe. Zur theologischen Akzeptanz von assistiertem Suizid und aktiver Sterbehilfe, Stuttgart: Kohlhammer 2010.

Sterbebegleitung statt aktiver Sterbehilfe. Eine Textsammlung kirchlicher Erklärungen mit einer Einführung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Januar 2003.

Sterbehilfe

Was man unterscheiden sollte:

  1. aktive Sterbehilfe (strafbar)
    Tötung aus Mitleid ("Euthanasie") (§ 211, § 212 StGB)
    Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB)
    In ihrem Buch "Menschenwürdig sterben" plädierten Walter Jens und Hans Küng 1995 für eine rechtliche Freigabe der aktiven Sterbehilfe auch in Deutschland (siehe: Kommentar zur Euthanasiebewegung und Literaturübersicht 1973-1997)
     
  2. passive Sterbehilfe (nicht strafbar, evtl. geboten)
    Unterlassen einer ärztlichen Maßnahme;
    Beenden einer bereits eingeleiteten ärztlichen Maßnahme
    (siehe Fall Wolfgang Pütz)
    Beim "gerechtfertigten Behandlungsabbruch" wird entsprechend dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Willen des Patienten eine medizinische Behandlung unterlassen, begrenzt oder beendet, um einem ohne Behandlung zum Tode führenden Krankheitsprozess seinen Lauf zu lassen (BGH vom 25. Juni 2010). (Vgl. die Entscheidung des EGMR vom 5. Juni 2015 sowie Kommentar dazu von Anna von Notz)
     
  3. indirekte Sterbehilfe
    in rechter Absicht (nicht strafbar, siehe Ulmer Fall; Kommentar dazu;
    vgl. dazu auch das Thema "terminale Sedierung");
    in unrechter Absicht (strafbar im Sinne der aktiven Sterbehilfe;
    zu Unrecht vor Gericht behauptet im Fall Mechthild Bach)
    Indirekte Sterbehilfe liegt vor, wenn eine ärztlich gebotene schmerzlindernde oder bewusstseinsdämpfende Medikation bei einem oder einer tödlich Kranken oder Sterbenden als unbeabsichtigte, aber unvermeidbare Nebenfolge den Todeseintritt beschleunigt (BGH vom 15. November 1996).
     
  4. Beihilfe zur Selbsttötung (prinzipiell nicht strafbar; strafbar ist nur die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung)
    durch Angehörige: nicht strafbar;
    durch Ärzte: nicht strafbar, aber von der ärztlichen Berufsordnung bundesweit bzw. auf Länderebene in einigen Bundesländern untersagt, was inzwischen aber als rechtlich unzulässig gilt (siehe besondere Seite);
    durch Vereine und Einzelpersonen, die dabei geschäftsmäßig handeln (siehe Fall Kusch): strafbar geworden durch Bundestagsentscheidung vom 6. November 2015. Der Bundestag folgte dabei mit großer Mehrheit dem Gesetzentwurf Brand, Griese u. a.: strafrechtliches Verbot nur der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe (Text).
    Die Sterbehilfe-Debatte von 2008 bis 2015 findet sich im Archiv.